Lois Seidl | Schauspieler

Wiener Punschgedicht


Im Winter find ich keine Ruh, 
bevor ich nicht was Gutes tu.
Es gibt viel Not auf dieser Welt,
am besten hilft man da mit Geld.
          
Nicht mit dem Zahlschein auf der Bank,
es gibt was Bess´res, Gott sei Dank.
Damit das Helfen mich auch freut,
hab ich für einen Rundgang Zeit. 
Jetzt, im Advent, an allen Ecken, 
kann man den Punsch schon förmlich schmecken,
der heiß und süß und parfümiert
zum Wohl der Andren `trunken wird.
Im Namen Allahs geh ich´s an …
 
Ich spende für Afghanistan, 
dann einen für die armen Kinder
und für die ganz, ganz armen Inder.
Ich denk an die Malteser Ritter,
denn deren Leiden ist recht bitter.
Beim Stand vom „Lion´s Club“ am Graben
kann ich mich für Rumänien laben,
und bitte nicht zu vergessen,
die haben beinah nichts zu essen.
 
Als Nächstes hebe ich mein Glas 
rasch für die liebe Caritas.
Fürs Rotes Kreuz und für die Gruft
mit Zimt und mit Holunder-Duft.
Ich merke deutlich: „Gute Werke“
erfordern sehr viel Kraft und Stärke.
 
Ein Punsch noch rasch für die Partei, 
als Wechselwähler trink ich zwei.
Dort steht der Herr Bezirksvorsteher,
bei einem Punsch kommt man sich näher.
Für´s Kinderdorf, für Kommunisten,
für Asylanten, Terroristen,
für Hungernde im fernen China
und für die Araber in Palästina.
Wer Gutes tut, hat immer Recht.
Ein Punsch noch – und dann wird mir schlecht.
 
Doch ehe ich nach Hause schunkel 
trink ich noch rasch für „Licht ins Dunkel“.
Ich kann die Häferln nicht mehr zählen,
jedoch, ich muss mich weiter quälen.
Am Stephansplatz werd ich ganz fromm
und trink noch für den Stephansdom.
 
Spätabends ladet mich wer ein 
„zu Punsch und Keks bei Kerzenschein“.
„Doch bitte, nicht mit leeren Händen!
Du kannst ja für die Armen spenden.“
 
Am Sonntag dann, in meiner Pfarr, 
wird sicher auch der Punsch nicht gar.
Das Geld für das, was uns so schmeckt
wird noch in die Renovierung g´steckt.
 
So trink ich mich durch den Advent, 
ein Wahnsinn, was man dafür brennt!
Doch ist das letzte Geld auch weg:
„Ich tu´s für einen guten Zweck.“
Ich bin ein hoffnungsloser Säufer,
und schuld sind nur die Punsch-Verkäufer.
 
Den Punsch kann ich schon nicht mehr sehen 
und lass ihn zu Silvester stehen.
Ich habe nur noch einen Wunsch:
Ich trinke alles, nur kan Punsch.
 
Den Nächsten gibt es, das ist klar, 
erst im Advent im nächsten Jahr!

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